Safeguarding Cultural Heritage An Dinh Palais, Hué, Vietnam

Hué, die ehemalige Kaiserhauptstadt –
ihre Geschichte und die des Palais.

Geographischer Standort von Hué

Plan von Hués Innenstadt

Seine Majestät der Kaiser Khai Dinh, Kaiser von Annam

Ein Grundriss der Zitadelle aus dem Jahr 1885

Das 'Mittagstor' ('Ngo Mon Gate'), der Haupteingang zur Verbotenen Stadt in der Zitadelle

Die Hauptachse der Kaiser-Stadt mit Wohnpalast Kien Trung. Khai Dinh ließ ihn ab 1920 im Stil der französischen Schlösser erbauen. Er wurde im Amerikanischen Krieg vollständig zerstört.

Der Grundriss vom Januar 2004 zeigt die Wiederherstellung des An Dinh-Geländes. Erkennbar ist auch der Grundriss des nicht erhaltenen Theaters.

Grundriss des EG mit markierten Bauphasen

Grundriss des 1. OG. mit markierten Bauphasen

Grundriss des 2. OG. mit markierten Bauphasen

Aufriss der Südseite des Palais

Aktuelle Ansicht des An Dinh Cung Geländes vom Norden. Die Lotosteiche, Umfassungsmauern, Wege und Bepflanzungen wurden bei der Sanierung 2002 wieder hergestellt. Die Rasenfläche vor der Nordseite markiert die Lage des einstigen Theaters.

Die Anfänge — Chinesen, Cham und Viet

In Mittelvietnam, in der geschützten Ebene am Song Huong Fluss, dem "Fluss der Wohlgerüche", eingebettet in eine reizvolle Landschaft zwischen Bergen und Meer, liegt die ehemalige Residenzstadt Hué.

Im dritten Jhd. v.C. errichten Chinesen der Han Dynastie die Festungen einer Kommandantur, unweit der zukünftigen Stadt Hué.

Im zweiten Jhd. n.C. sind es dann die Cham, die am heutigen Standort der Arenen in Hué, eine Stadt namens Kandapurpura gründen. Die Gegend ist zu diesem Zeitpunkt eine Provinz des Königreichs der Champa und bleibt es bis zum 14. Jhd. 1471 fällt die Hauptstadt Vijaya in die Hände der Viet.

Ab diesem Zeitpunkt verschmilzt die Geschichte Hués mit der der Herrschaft der Nguyen-Fürsten, die, auf Initiative des unternehmensstarken Nguyen Kim beruhend, ihren Hauptsitz Anfang des 17. Jhds. in dieser Gegend etablieren.

Die Nguyen-Dynastie — Hué wird zur Kaiserhauptstadt

1637 lässt Fürst Nguyen Hoang, Sohn Nguyen Kims, im heutigen Hué eine Zitadelle erbauen und tauft sie Phu Xuân. Wichtigkeit und Einfluss dieser Festung wachsen im gleichen Maße wie die Macht der Familie Nguyen.

1771 verjagt die Revolte der Tây Son die Nguyen aus Phu Xuân. Erst 30 Jahre später kann der einzige Überlebende der Nguyen, Nguyen Anh, die Stadt dank französischer Unterstützung zurückerobern.

Als Nguyen Anh sich die Herrschaft über ganz Viet Nam sichert und sich 1802 unter dem Namen Gia Long zum Kaiser von Dai Nam ("großer Süden") proklamiert, etabliert er die Hauptstadt in Phu Xuân und gibt ihr - in Abwandlung des Wortes Hoa ("Harmonie") - den Namen Hué.

Gia Long, der damit den Grundstein für die machtvolle Dynastie der Nguyen legt, bleibt den Franzosen gegenüber loyal. Die meisten der nachfolgenden Kaiser wie z.B. Ham Nghi oder Dui Tân versuchen sich zwar dem zunehmenden Machtanspruch der Franzosen zu widersetzen, werden aber abgesetzt und ins Exil geschickt. Die Monarchie ganz abzuschaffen, wagen sich die Franzosen nicht, sorgen aber dafür, dass kein Kaiser sich je wieder gegen sie auflehnt. Indem sie 1916 den 31-jährigen Khai Dinh, einen Sohn von Dong Khan, auf den Thron heben, haben sie es tatsächlich mit einem Kaiser zu tun, der die ihm zugedachte Marionettenrolle so perfekt spielt wie kein anderer Vertreter der Nguyen-Dynastie. Für die Wirklichkeit außerhalb der Zitadellenmauer ist er blind, für die wachsende Befreiungsbewegung taub und, wenn es ihm in seiner Verbotenen Stadt zu langweilig wird, fährt er zu Kartenspiel und Kognakgelagen in das An Dinh Palais, das er 1918 für seinen ältesten Sohn in einer großzügigen Parkanlage, dem Cung An Dinh am An Cuu Fluss, inmitten der europäischen Villen der Kolonialherren in Hué, hat errichten lassen.

Die Franzosen, die Amerikaner, Ho Chi Minh
und ein neues Vietnam

Als Khai Dinh 1925 stirbt, wird sein Sohn Vinh Thuy mit dem dynastischen Namen Bao Dai inthronisiert. Dieser ist für seine Rolle im Dienste Frankreichs bestens vorbereitet worden, lebt er doch auf Wunsch seines Vaters in Paris im Haus eines Kolonialherren. Zur Beisetzung seines Vaters kommt er kurz nach Hué, um dann aber in die französische Hauptstadt zurückzukehren, wo er die nächsten 7 Jahre verbringt. Erst 1932, mit 18 Jahren, besteigt er den bis dahin nur pro forma von ihm besetzten Thron.

Doch der Widerstand gegen die französische Kolonialmacht und seinen Marionettenkaiser wächst und mündet nach der Gründung der "Liga für die Unabhängigkeit Vietnams" 1941 durch Ho Chi Minh 1945 in die seit Jahren vorbereitete Revolution. Am 25. August 1945 muss Bao Dai abdanken, verlässt die Verbotene Stadt (Sitz der Kaiserfamilie, liegt innerhalb der Zitadelle) und zieht zusammen mit seiner Mutter Tu Cung, seiner Frau Nam Phuong, seinen Kindern und einigen Dienstboten in das An Dinh Palais.

1954 wird Bao Dai vom Ngo Dinh Diem Regime vollständig entmachtet und geht mit seiner Frau und seinen Kindern ins Exil nach Frankreich, seine Mutter bleibt im Palais wohnen. 1975, nach Ende des Amerikanischen Krieges, überträgt sie das Palais der neuen sozialistischen Regierung und zieht in eine nahe gelegene Villa am An Cuu Fluss. Dort sind bis heute die wenigen erhaltenen Ausstattungsstücke des An Dinh Palais aufbewahrt. Königsmutter Tu Cung stirbt 1980 in Huê.

Cung An Dinh — erst vergessen,
dann wieder entdeckt.

Nach 1975 dient das halbwegs erhaltene Palais zunächst als Unterkunft für zahlreiche Bewohner der von Krieg verwüsteten Stadt Hué.

Bis 2002 wird das An Dinh Palais von der Provinzregierung verwaltet und für verschiedene Zwecke, u.a. von der Gewerkschaft als Kulturhaus, genutzt.

Anfang 2002 wird es dem 1982 gegründetem Hué Monuments Conservation Centre (HMCC) übergeben, schon im März beginnen umfangreiche bauliche Restaurierungsmaßnahmen am Gebäude und im Park. Im Juni ist die Außenhülle des Palais restauriert, die Anlage teilweise wieder hergestellt und das Cung An Dinh wird zum Hué-Kultur-Festival feierlich eröffnet.

Noch im selben Jahr wird die Restaurierung der Innenräume mit seiner wertvollen Ausgestaltung beschlossen und hierfür dieses vietnamesisch-deutsche Kooperationsprojekt ins Leben gerufen. Die ersten Arbeiten beginnen im Mai 2003 und dauern bis heute an.

Zur Baugeschichte — wenig Bekanntes,
viele Lücken

Quellentexte über das Cung An Dinh und seines Palais sowie historische Aufnahmen existieren nur sehr wenige. Die historischen Dokumente der Nguyen-Dynastie wurden in der kaiserlichen Bibliothek aufbewahrt und fielen während der amerikanischen Angriffe 1968 weitestgehend den Flammen zum Opfer. Die hier gezeigten Fotos befinden sich im Bestand des HMCC.

Das Palais wurde als Ziegelbau mit Stahlsteindecken auf einem Granitstein-Fundament errichtet, die klassische Dachdeckung besteht aus kleinen rechtwinkligen Tonziegeln. Zur Anwendung kamen unterschiedliche Mörtel, die im Wesentlichen aus Sand, Kalk, Zement und Proteinleim-Zusätzen bestehen.

Die in den 1920er Jahren vorgenommene Aufstockung des 2-geschossigen zu einem 3-geschossigen Gebäude war verbunden mit dem Anbau weiterer Räume an dessen Nordseite. Zeitgleich wurde hinter dem Palais ein Theater errichtet. Beide Gebäude waren durch ebenerdige Räume, darauf befindlichen Terrassen und Außentreppen miteinander verbunden. Das Theater wurde im Amerikanischen Krieg schwer beschädigt und existiert heute nicht mehr. Bisher sind auch keine Aufnahmen und Baupläne des Gebäudes aufgetaucht. Das einzige bisher bekannte Foto zeigt eine Besuchergruppe im Foyer des Theaters. 2003 brachte eine archäologische Grabung die Grundmauern des Gebäudes zum Vorschein. Die Grundfläche des Theaters ist heute als Rasenfläche gestaltet, die Lage der Grundmauern ist durch Granitpflasterwege gekennzeichnet.

Besucher, die das Cung An Dinh-Areal am heutigen nördlichen Haupteingang betreten, treffen auf eine schmucklose, unharmonisch gegliederte Nordfassade des Palais. Ihre Sichtbarkeit in dieser Form war nicht geplant und ist der Zerstörung des Theaters geschuldet. Um diese empfindliche Lücke zu schließen, gibt es im HMCC Überlegungen zu einem Theaterneubau, der sich jedoch nur im Baukörper an dem einstigen Theater orientieren dürfte, da die Kenntnisse über den ursprünglichen Bau für eine Rekonstruktion nicht ausreichen.



An Dinh Palais bei seiner feierlichen Eröffnung 1918. Das Foto zeigt das ursprünglich zweigeschossige Gebäude

Das Palais nach seiner zweiten baulichen Erweiterung, ca. Anfang 1920er Jahre

Haupteingangstor zum Cung An Dinh Schlosspark, im Hintergrund der Trung Lap Pavillon mit Bronzestatue Khai Dinhs und das Palais

Ansicht der Hauptfassade des Palais, vorn der Trung Lap Pavillon. Die Skulpturen auf den Postamenten sind heute nicht mehr erhalten.

Trung Lap Pavillon mit der lebensgroße Statue Khai Dinhs

Kaiser Khai Dinh baute das An Dinh Palais für seinen ältesten Sohn, dem späteren Kaiser Bao Dai und hielt es in einer Widmung am Balkon fest: 1902 war dieser Palast meine Residenz, der Tradition des separaten Wohnsitzes verpflichtet. Im Sommer 1916 fand meine Krönungszeremonie statt. Im Herbst 1917 wurde An Dinh neu gebaut und im Winter 1918 fertig gestellt. Ich nannte den Palast "Khai Tuong". Ich nutzte mein Privatvermögen für die Herstellung des Mobiliars des Palasts und vermachte es den ältesten Prinz Vinh Thuy als Zeichen meiner besonderen Liebe. (Dokument aus dem Hué Museum, übersetzt von Le Nguyen Luu)

An der Innenseite des Balkons des in den frühen 1920er Jahren aufgestockten dritten Geschosses befindet sich eine weitere Inschrift. Hier wird Kaiser Khai Dinh etwas deutlicher: Cung An Dinh war meine erste Residenz, bevor ich als Kaiser herrschte. 1913 wurde der älteste Prinz geboren, 1916 wurde ich gekrönt. Als Erinnerung an diesen schönen Ort habe ich hier diesen neuen Palast gebaut und ihn "Khai Tuong" genannt. Alle Möbel und Reichtümer des Palastes wurden von meinem Privatvermögen bezahlt. Ich sicherte diesen Palast für meinen ältesten Sohn. Ich bin nun alt und mein Sohn noch ein Kind. Ich kann die Zukunft nicht voraussehen, möglicherweise könnte es dem ältesten Prinzen schlechter ergehen als mir (Anm.: dass er nicht zum Kaiser gekrönt wird), deshalb reservierte ich dieses Schloss für ihn. (Dokument aus dem Hué Museum, übersetzt von Le Nguyen Luu)

Kaiser Khai Dinh im prächtigen Vestibül des Schlosses, ca. 1920

Vestibül des Palais, 2. Hälfte 20.Jhd. Die Innenausstattung ist bereits empfindlich dezimiert, Paneele und Türen sind überstrichen.

Einzige bekannte Aufnahme des in den 20er Jahren an der Nordseite des Palais angebauten Theaters

So präsentiert sich das Palais vom An Cuu Fluss aus heute.

Die heutige schmucklose Nordfassade des Palais wirkt durch seine späteren Anbauten und das Fehlen des ehemals davor stehenden Theaters nicht sehr attraktiv. Die prächtige Innenausstattung, die sich hinter diesen Mauern verbirgt, lässt sich nicht erahnen.

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